Ansprüche haben

Aufgaben stellen, Aufgaben lösen

Man muss den Menschen nicht als ein vernunftbegabtes Wesen betrachten - die Welt, in der wir Leben, gibt allenthalben Beispiele für die gegenteilige Betrachtungsweise - macht man es, betrachtet man den Menschen als vernunftbegabt, setzt man in ihn, was man dazu bei sich selber voraussetzten muss: Vernunft. Dieser Vorgang heisst Übertragung. Wie das Wasser besitzt die Übertragung der Vernunft eine Flussrichtung, vom höheren zum daruntergelegenen, von der Quelle zur Mündung, vom  Allgemeinen zum Besonderen. Der Nutzen der Übertragung und ihren Wert ergeben sich wie beim Wasser dadurch, dass es sich bei ihr um einen Kreislauf handelt. Die Quelle der Vernunft, die mit dieser Seite zugänglich wird, schöpft aus der Geschichte. Sie macht, was sie berührt, von ihrem Ursprung bis zu ihrer Mündung, fruchtbar, sind ihre Quellen rein. Wo sie sind, wird man hier finden. Die Geschichte zu kennen, durch die sich die Aufgabe gestellt hat, die zu lösen gegenwärtig ansteht, ist die Voraussetzung dafür, die Aufgabe lösen zu können. Die Menschheit als Gattung steht vor einem neuen Zeitalter, das überkommene, das Zeitalter, dessen Gegenwart zu seinem Ende kommt, war der Kapitalismus, das neue Zeitalter, in das die Menschheit am Eintreten ist, heisst Kommunismus. Die Aufgaben, die sich die Menschheit gestellt hat, löst sie durch das Wissen, das der Kommunismus ist. Davon wird hier die Rede sein. Davon, was er will und was er ist.


Die wünschenswerte Welt

Bemerkt und festgehalten

Aus dem Blog, 20. November 2019

 

Offener Brief an Jan Böhmermann. Von David Fässler


Lieber Jan

Du bewirbst dich für den SPD-Vorsitz. Das, lieber Jan, ist der reine Kleinmut. Winzig und verschwindend klein. Hast du keine Manneskraft? Wann beginnst du endlich, größer zu denken? Weshalb setzt du dir nicht ein richtiges Ziel? Ein Ziel, das es auch wert ist, dass es erreicht wird. Ein Ziel, das, wenn es erreicht ist, die Menschen, die dich schätzen, weiterbringt. Das Ziel, das du erreichen willst, willst du es als Selbstzweck erreichen? Also nicht Kleinmut, lieber Jan, gefordert ist: in Schillers Worten: Männerstolz vor Königsthronen. Damit in unseren Leben, in unserem Land und auf unserem Planeten endlich wieder etwas geschieht, das Freude macht. Also was ist das Ziel? Gegenfrage: wer ist der König? Ja, auch wenn er nervt, langweilt und mordet: der Kapitalismus. Unverhohlen und nackt, ohne das Feigenblatt, für das die SPD gestanden ist.

Also, ein größeres Ziel, nicht Feigenblatt, Männerstolz! Weshalb schaffst du ihn nicht ab? Nicht den Männerstolz! Den Kapitalismus! Jan Böhmermann schafft den Kapitalismus ab. Das ist das Ziel. Hochgesteckt? Bitte, was denn sonst! Anspruchsvoll? Aber sicher. Aber ist es denn auch möglich? Dir bestimmt. Du kannst es, weil du etwas hast. Und das zu haben, können nicht viele von sich sagen. Du kannst es, dir ist es möglich. Weil du Kenntnisse besitzt, die in den Sphären, in denen du dich bewegst, sehr selten sind. Vielleicht sogar einzigartig. Diese Kenntnisse machen es möglich, dass du den Kapitalismus abschaffst. Du besitzt Kenntnisse von einem Gegenstand, vor dem sich richtige Menschen hüten. In den Sphären am Fuße des Throns, dort, wo sich die wertvollen Wesen bewegen, ist man davor gefeit, mit einem Gegenstand zu schaffen zu haben, mit dem man als richtiger Mensch nichts zu tun haben will – er ist auch wirklich ein bisschen pfui und hat schmutzige Hände. Die wertvollen Wesen kennen ihn aus zweiter Hand, für richtige Menschen besteht dieser Gegenstand aus Zahlen, die sich in Statistiken, Bilanzen und Rechnungen finden. Sie zu drücken, ist ihr Anliegen. Du besitzt Kenntnisse von diesen Gegenständen: aus erster Hand. Du setzt dich auseinander mit ihnen, bei dir gewinnen sie Gesicht. Bei dir haben sie ein Antlitz. Sie beschäftigen dich, und du dich mit ihnen. Aber nicht, um dich über sie lustig zu machen, denn das wäre einfach, weil ihre Lage – sie werden gedrückt – nicht lustig ist. Sondern um hilfreich und gut zu sein. Indem du an ihrer Seite kämpfst. Für sie. Mit ihnen. Die Arbeiterklasse hat das bemerkt. Für die Arbeiterklasse besitzt du Glaubwürdigkeit. Sie weiß: Jan Böhmermann steht im Klassenkampf auf der Seite der Arbeiterklasse.

Klassenkampf zerstört und tötet. Solange wie es Klassen gibt, solange gibt es Klassenkampf. Tobt der Klassenkampf, wird die Atmosphäre zugemüllt, werden die Wälder niedergebrannt, die Flüsse in Kloaken verwandelt, die Äcker vergiftet, die Wiesen verpestet, die Tiere ausgerottet. Das wird nicht enden, solange wie es Klassen und Klassenkampf gibt. Ohne Klassen gibt es keinen Kapitalismus. Das Jenseits davon ist die Klassenlose Gesellschaft. Das alles weiß ein Sozialdemokrat. Deshalb stehst du auf der Seite der Arbeiterklasse. Ihre Stimme, deine Stimme,  meine Stimme, einig wie Schiller gelehrt hat: seid einig, einig, einig. Das sind wir. Deshalb kommen wir an unser Ziel. Es ist anspruchsvoll, das Ziel, das Männerstolz in Anspruch nimmt. Und es ist an der Zeit. Der Kapitalismus hat seine Zukunft hinter sich. Er gehört abgeschafft. Den Kapitalismus abschaffen; das kann man sich denken. Wie man sich das denken kann, das wird hier zur Sprache gebracht. Und du gibst den Gedanken weiter an die, für die du glaubwürdig bist. Du spielst deine Rolle als Medium. Dadurch findet der Gedanke Verbreitung: unter den Arbeiterinnen und Arbeitern. Den abhängig Beschäftigten. Finden sie den Gedanken gut, wissen sie, was zu tun ist. Und die Schlipsträger, die ihr Leben damit zubringen, auf der Seite der Arbeiterklasse zu kämpfen, helfen ihnen bei ihrem Tun.  

Also zum Wie: Unsere Ausbeuter haben in ihrer Gier vergessen, dass es Gründe dafür gab, weshalb die Betriebe, die sie privatisierten, einst in staatlichem Eigentum waren. Die Staatsbetriebe, die sie privatisierten, sind Schlüsselbetriebe. Dem, dem sie gehören, dem gehört der ganze Laden. Probe aufs Exempel: Einen Tag lang streiken alle, die die Erlaubnis besitzen, ein Schienenfahrzeug oder einen Bus zu führen. Richtig, das wäre Generalstreik. Und der ist verboten. Also geschieht das auch nicht. Ja, der olle Lenin hat uns durchschaut: Macht man in Deutschland eine Revolution, dann nach den Buchstaben des Gesetzes. Genau diese Revolution machen wir jetzt. Eine Revolution, wie sie im Gesetzbuch steht: wir gründen unsere eigenen Betriebe. Das nämlich dürfen wir. Unsere eigenen Betriebe gründen. Unser Grundgesetz gibt uns dazu das Recht. Es gibt uns das Recht, frei zu wählen, welchem Betrieb wir unsere Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Dass alle von ihrem Arbeitsplatz fern bleiben, weil wir streiken, das ist verboten; dass alle von ihrem Arbeitsplatz fern bleiben, weil alle ihrem Arbeitgeber gekündigt haben, das ist erlaubt. Und natürlich auch nötig, denn wir hören nicht mit dem Arbeiten auf. Wir arbeiten weiter. In unseren eigenen Betrieben. Auf eigene Rechnung. Die Krankenschwestern im Krankenhaus, das den Krankenschwestern gehört, die Brief- und Paketboten in der Post, die den Pöstlern gehört, die Lokomotivführer in ihrer eigenen Bahn. Die DB AG hat dann keine Lokomotivführer mehr. Vielleicht fragt die DB AG dann Lokomotivführer aus dem Ausland nach. Im Kapitalismus regelt das der Markt. Angebot und Nachfrage. Aber vielleicht finden die Lokomotivführer in Frankreich: geile Idee. Die Deutschen, das ist mal etwas ganz, ganz Neues. Das machen wir auch. Und die Belgier, Niederländer, Dänen, Polen, Tschechen, Ösis. Und so reihum. Deutsche Ideen haben oft schon begeistert. Und eine politische Idee, die die Menschheit weiter bringt, das wäre tatsächlich mal etwas neues aus dem Land der Denker und Dichter. Ein Gedanke, der nicht neu ist, und seinen Ursprung ebenfalls in Deutschland hat: Die Antwort auf die Eigentumsfrage schafft den Kapitalismus ab. Die wird hier gegeben. Darum sei du der Ursprung von dem Gezwitscher, das, von Deutschland ausgehend, Europa erfreut: Lokomotivführer aller Länder, gründet eure eigene Bahn, Krankenschwestern aller Länder, gründet euer eigenes Krankenhaus, Postboten aller Länder, gründet eure eigene Post.



Lieber Gruß und Hochachtung


David