Werktag mit Zukunft statt Friday for Future

Eine kleine Geschichtskunde, warum alle über eine Sache, die sie inhaltlich teilen, reden können, ohne die unterlassenen Handlungen künftig nicht zu unterlassen, oder: was Friday for Future fehlt, um erfolgreich zu sein

Die Erfahrungen der vergangenen 70 Jahren

„Wir haben um die Löhne gekämpft und um bessere Arbeitsbedingungen. … Wenn wir unsere Macht vermehrten, dachte ich, würden wir mitzubestimmen haben. Das war falsch.“

Brechts Zitat gibt die Erfahrungen wieder, die in den Jahrzehnten nach 1949 gemacht worden sind. Sie nötigen, unabhängig vom Klassenstandpunkt, zu Erkenntnissen. Die Sozialisierung bedeutender Teile der Produktionsmittel war in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts Tatsache, sie fand in der Form von Verstaatlichung statt. Die Verstaatlichung bewirkte eine Demokratisierung und eine sinkende Profitrate. Durch die sinkende Profitrate verringerte sich die Ausbeutung der abhängig Beschäftigten. Solange wie die Produktionsmittel verstaatlicht waren, stiegen die Löhne, und die Arbeitsbedingungen wurden besser. Seit der Privatisierung der Produktionsmittel sinken die Löhne und die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich. Daran kann kein Zweifel bestehen. Es ist die Erfahrung von Million von abhängig Beschäftigten. Droht ihre Erfahrung zum Gegenstand einer öffentlichen Auseinandersetzung zu werden, wird sie, in Abhängigkeit vom Klassenstandpunkt, geleugnet. Denn die Erkenntnisse, die aus der Sozialisierung der Produktionsmittel und ihrer Privatisierung gewonnen worden sind, sind Ausbeutern und Ausgebeuteten gemeinsam. Die Sozialisierung lässt die Profitrate sinken, die Privatisierung lässt sie steigen. Die Ausbeuter haben daraus ihre Schlüsse gezogen.


Unschöne, wenig romantische, gar nicht poetische Wörter

Ausbeuter? Ausgebeutete? Sozialisierung der Produktionsmittel? Im einundzwanzigsten Jahrhundert? „Ich weiß natürlich, dass solche Wörter wie Privateigentum an Produktionsmitteln unschöne, wenig romantische, gar nicht poetische Wörter sind. Aber niemand von uns denkt daran, diese Wörter ihrer Schönheit wegen zu verwenden. Sie sind nur nötig. Das heißt: das zu sagen was sie sagen, ist nötig.“ Weshalb aber ist es nötig, auf Worte zurückzugreifen, die die Verhältnisse vor mehr als hundert Jahren beschreiben? Weil sie die Soziale Frage stellen. Die Soziale Frage stellt sich wieder, weil sie nie beantwortet war. Die Soziale Frage stellt sich für die Ausgebeuteten. Sie ist nie beantwortet worden; die Ausgebeuteten wurden ruhig gestellt. Die Klasse der Ausbeuter schloss mit der Klasse der Ausgebeuteten einen Kompromiss. Der Klassenkompromiss prägte die vier Jahrzehnte zwischen 1949 und 1989. Danach war er überflüssig. Die sozialisierten Produktionsmittel wurden privatisiert, aus Körperschaften des öffentlichen Rechts wurden Körperschaften des Privatrechts. Die Löhne sanken, die Arbeitsbedingungen verschlechterten sich, die Mitbestimmung verschwand und die Profitrate stieg.



Die Verwandlung der Gesellschaft in den vergangenen 200 Jahren

Die Profitrate besitzt die Tendenz, zu sinken. Aber sie sinkt nicht endlos. Sie sinkt auf null. Die Profitrate von null wird erreicht, wenn sich in einer Gesellschaft eine Warenwirtschaft entwickelt hat. In einer voll entwickelten Warenwirtschaft sind alle Waren in beliebiger Menge verfügbar. Die Verwandlung der Agrargesellschaft in eine Warenwirtschaft ist dann vollbracht. 10,000 Jahre lang lebte der Mensch in der Agrargesellschaft. Die Aufgabe des Kapitalismus war, die Agrargesellschaft in eine Warenwirtschaft zu verwandeln. Die Aufgabe, die der Kapitalismus lösen kann, ist gelöst. Und weil alle Waren in beliebiger – nicht unbegrenzter – Menge verfügbar sind, hat die Profitrate bei null zu liegen. Ist dem so? Wäre dem so, gäbe es keine Ausbeutung mehr. Ausbeutung gibt es, damit es Profite gibt. Solange wie es Profite gibt, gibt es Ausbeutung – Ausbeutung von Mensch und Natur; und, daran erinnert ihn seine Jugend: der Mensch ist Teil der Natur – ; für den Profit muss ausgebeutet werden. Profite sind Einkommen aus Kapital. Einkommen aus Kapital wird durch das Privateigentum an den Produktionsmittel möglich. Millionen haben am eigenen Leib erfahren, was der Unterschied ist zwischen dem Staatseigentum an den Produktionsmitteln und dem Privateigentum. Die Menschen, die diese Erfahrung machten, sind heute alt. Eine Jugend, die nicht aus der Erfahrung der Altvordern lernt, hat keine Zukunft. Sie lernt sie, die richtigen Fragen zu stellen. Die Frage, die der Antwort harrt, ist die Soziale Frage. Die Antwort auf die Soziale Frage setzt die Jungend in den Stand, auf die Fragen, die sie bewegt, die Antwort zu finden. Antworten sind eine Frage des Standpunkts. Solange es Klassenstandpunkte gibt, stellt sich keine andere Frage als die Soziale Frage.


Volks- und Kapitalvertreter

Das Staatseigentum war eine Form der Sozialisierung. Das Staatseigentum ermöglichte Mitbestimmung. Sie ist im Gegensatz zur Selbstbestimmung eine vermittelte Bestimmung. Vermittelt wird die Mitbestimmung durch das Recht, das die Verfassung gewährt. Das Mitbestimmungsrecht, das die Verfassung dem Volk gewährt, ist das der Stellvertretung. Ausgeübt wird sein Recht durch die Volksvertretung. Die Dienstherren, die über die staatseigenen Betriebe verfügten – es waren damals Herren, so wie die Verwaltungsräte immer noch überwiegend männlich sind – waren gewählt, und schworen, sich in den Dienst des Volkes zu stellen. Heute dienen die privatisierten Betriebe dem Shareholdervalue. Die Volksvertretung repräsentiert die Machtverhältnisse der jeweiligen Gegenwart; im Kapitalismus ist die stärkste Macht das Kapital. Daher leitet sich sein Name her. Alle Interessen sind dem Interesse des Kapitals unterworfen. Das Staatseigentum war für das Kapital ein notwendiger Kompromiss. Vierzig Jahre lang war das Kapital an den Auftrag gebunden, besser als eine Alternative zu sein. Die Alternative hiess Real-Existierender-Sozialismus. Im Krieg mit dem Sozialismus siegte das Kapital. Die Fessel, dem Volk zu dienen, wurde durchschnitten.


Demokratie herrscht unter Gleichen

Die Fessel ist Vergangenheit, der entfesselte Kapitalismus die Gegenwart. Für seine Entfesselung haben die Ausbeuter den Kalten Krieg geführt. Ihr Sieg kostete die Ausgebeuteten den Klassenkompromiss. Der Krieg, der den Kalten Krieg hierzulande ersetzt hat, ist der Krieg der Klassen. Ausnahmslos alle sind gezwungen, am Krieg der Klassen teilzunehmen. Der Zwang entsteht durch die Klassengesellschaft. Klassen spiegeln Ausbeutungsverhältnisse. Die eine Klasse beutet aus, die andere Klasse ist die ausgebeutete. Weder ist das eine gut, noch ist es das andere. Es ist ein dialektisches Verhältnis. Und es ist ein überkommenes. Klassen sind Überbleibsel der Agrargesellschaft. Eine Warengesellschaft, die eine Klassengesellschaft ist, ist nicht aufgeklärt. Die Aufklärung forderte die Gleichheit des Menschen. In einer Klassengesellschaft drückt sich der Wert eines Menschen durch seine Klassenzugehörigkeit aus; der Kapitalismus bewertet den Menschen nach dem Wert seines Eigentums. Nicht alle Menschen sind etwas wert. Wer kein Eigentum hat, hat keinen Wert. Wer nichts besitzt, ist deklassiert. Wer ein Vermögen besitzt, den heisst man auf der Welt überall willkommen. Die Klassengesellschaft der Gegenwart bewertet den Menschen aufgrund seiner Eigentumstitel. Titel wiesen einen im Feudalismus einer Klasse zu. Der Feudalismus war eine Entwicklungsstufe der Menschheit. Wer auf ihr verblieben ist, ist in seiner geistigen und seelischen Entfaltung unterentwickelt und zurückgeblieben.


Was zur Wahl steht

In die Klasse wird man hinein geboren. Den Klassenstandpunkt, den man vertritt, den wählt man selbst. Den Klassenstandpunkt, den man gewählt hat, eignet man sich durch Kämpfe an. Die Wahl ist die: für welche Seite ficht man? Wer für die herrschende Klasse kämpft, ist für Ausbeutung. Für die Ausbeutung von Mensch und Natur. Die herrschende Klasse kämpft erfolgreich. Die Folgen ihrer Erfolge sind, dass der Mensch und die Natur um ihr Überleben kämpfen. Einzelne Schlachten des Überlebenskampfes werden gewonnen, verloren wird der Kampf ums das Ganze. Der Kampf um das Ganze ist der Überlebenskampf. Er scheint aussichtslos, weil er an falscher Stelle gekämpft wird. Der Kampf um die Zukunft des Planeten ist ein Kampf für Verhältnisse, die menschlich sind. Die Klassengesellschaft ist es nicht. Die Soziale Frage wird durch unmenschliche Verhältnisse gestellt; sie zu beantworten bedeutet, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ Hat man den Anspruch, dass die Verhältnisse menschlich sein sollen, stellt sich die Sozial Frage. Die Soziale Frage stellt sich, weil die Verhältnisse asozial sind.


Recht und Gewalt

Im Kapitalismus müssen die Verhältnisse asozial sein. Er bestimmt sich nicht durch soziale Interessen. Im Kapitalismus sind alle Interessen dem Interesse des Kapitals unterworfen. Deshalb heisst er so, wie er heisst. Im Kapitalismus setzt man eigene Interessen insoweit durch, als dass man Kapital besitzt. Insofern man Kapital besitzt, hat man die Macht, Interessen durchzusetzen. Man hat soviel Macht, wie man Kapital besitzt. Neun Zehntel der deutschen Bevölkerung besitzen kein Kapital. Kapital ist Eigentum an Produktionsmitteln. Im Kapitalismus teilt sich die Menschheit in Eigentümer und eine Mehrheit, die vom Eigentum ausgeschlossen ist; die Ausgeschlossenen besitzen kein Eigentum. Eigentümer und Habenichtse sind die notwendige Bedingung einer Klassengesellschaft. Eine Klassengesellschaft schliesst ein demokratisches Gemeinwesen aus. Klassengesellschaft oder Demokratie, entweder-oder. Beides zur gleichen Zeit gibt es nicht. Nimmt die materielle Gleichheit ab, findet ein Demokratieabbau statt, nimmt die materielle Gleichheit zu, entwickelt sich eine Demokratie. Materielle Gleichheit stellt die Gleichheit zwischen den Menschen her. Die Gleichheit vor dem Gesetz ist hergestellt, wenn es materielle Gleichheit gibt. Rechte durchzusetzen kostet. Das Kapital setzt Interessen durch, weil es Rechte durchsetzen kann. Das Kapital setzt Rechte durch, die es sich selber gegeben hat. Das Kapital setzt Recht, um seine Interessen durchzusetzen. Wo es sein Recht ohne Gewaltmittel nicht durchsetzen kann, erzwingt es die Durchsetzung seiner Interessen mit der Gewalt der bewaffneten Staatsorgane. Das ist das Recht des Stärkeren. In einer Gesellschaft, die zulässt, dass die Gegenwart die Lebensgrundlagen der zukünftigen zerstört, gilt das Recht des Stärkeren. Alles andere ist hohles Geschwätz. Hohles Geschwätz auf ihre Forderungen zu hören zu bekommen, wird zur Grunderfahrung der Jugend. Sich in Situationen zu begeben, die schlechte Erfahrungen wiederholen, ist Selbstzerstörung.


Ausbeutbar gemacht

Die Sozialisierung ging von den Schlüsselbetrieben aus. Schlüsselbetriebe stellen Dienstleistungen und Dinge her, die unverzichtbar sind. Auf das, was sie leisten, kann eine Gesellschaft nicht verzichten. Nicht für einen einzigen Augenblick. Deshalb wurden die Schlüsselbetriebe verstaatlicht. Ihre Verstaatlichung nahm den abhängig Beschäftigten das Recht, zu streiken. Streik ist Erpressung. Er setzt der Erpressung der Arbeitgeber, der einzelnen Arbeitskraft den Arbeitsplatz wegzunehmen, Erpressung entgegen. Die Arbeitnehmerschaft erpresst den Arbeitgeber, indem sie ihm ihre Arbeitskraft entzieht. Sie aber ist unentbehrlich, um die unverzichtbaren Dienstleistungen und Dinge herzustellen. Die Verstaatlichung der Betriebe hob den Gegensatz von Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf. Der Staat kaufte den abhängig Beschäftigten das Streikrecht ab. Er bezahlte mit Vergünstigungen: höheren Löhnen, besseren Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung, Arbeitnehmerrechten. Das war der Sozialismus und Klassenkompromiss. Die Arbeiterbewegung hatte sie durchgesetzt. Die Arbeiterbewegung legte den Kapitalismus in Fesseln. Der entfesselte Kapitalismus hat sie zerschlagen. Die Schlüsselbetriebe wurden privatisiert und auf gesplittet. Dadurch soll verheimlicht werden, was sich nicht geändert hat. Die Arbeitskraft ist unentbehrlich. Menschen, die von Berufes wegen unentbehrlich sind, sind in Schlüsselbetrieben beschäftigt. Wer in einem Schlüsselbetrieb arbeitet, gehört zu den abhängig Beschäftigten. Ihre Arbeit wird entwertet, weil sie abhängig sind. Abhängig beschäftigt. Entwertet wird man, wenn man ausgebeutet wird, und man wird ausgebeutet, wenn man entwertet wird. Die Entwertung folgt aus der Abhängigkeit. Abhängigkeit macht ausbeutbar.


Sozialisieren

Die Sozialisierung eines Schlüsselbetriebes findet durch die Übertragung des Eigentums an den Produktionsmittel statt. Die Sozialisierung, die stattgefunden hatte und durch die Privatisierungen rückgängig gemacht wurde, übertrug das Privateigentum in Staatseigentum; die Sozialisierung, die stattfinden wird, macht das Privateigentum zum Eigentum der abhängig Beschäftigten. Für die Übertragung des Eigentums nutzen die abhängig Beschäftigten ihre Rechte. Diese Rechte garantiert die Verfassung. Es handelt sich um die Freiheit, Beruf und Arbeitsplatz frei zu wählen, und um das Recht, eine Körperschaft des Privatrechts zu gründen. Die abhängig Beschäftigten eines Schlüsselbetriebs gründen ihre eigene Unternehmung. Die abhängig Beschäftigten werden dadurch zu Unternehmern. Sie befriedigen die Nachfrage ihres Unternehmens nach Arbeitskraft durch ihre eigene Arbeitskraft. Sie beenden das dialektische Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer, indem sie es in der eigenen Person aufheben. Sie beenden das Ausbeutungsverhältnis, d. h. sie kündigen ihrem Arbeitgeber. Ein Arbeitergeber eines Schlüsselbetriebs kann einzelne Beschäftigte ersetzen, alle zusammen sind unersetzlich. Die zeitgleiche Kündigung aller abhängig Beschäftigen bewirkt für den Arbeitgeber das, was ein Generalstreik zur Folge hat. Zur Kündigung gibt das Gesetzt das Recht, zum Generalstreik nicht. Die zeitgleiche Kündigung bewirkt, dass der Unternehmer den Schlüsselbetrieb nicht länger betreiben kann. Schlüsselbetriebe sind Betriebe, die ihre Produktion nicht unterbrechen dürfen. Nicht für einen Tag. Die Unternehmungen, die bis dato die Schlüsselbetriebe betrieben haben, können sie ohne die abhängig Beschäftigten nicht länger betreiben. Der Unternehmer verliert, wenn er die Produktion in einem Schlüsselbetrieb nicht gewährleisten kann, das Recht, ihn zu betreiben, und er muss die Produktionsmittel verkaufen, denn das Gesetz gewährt ihm das Recht, einen Schlüsselbetrieb zu betreiben, unter der Bedingung, dass er es kann. Ohne die abhängig Beschäftigten kann er ihn nicht betreiben. Deshalb muss er die Produktionsmittel an denjenigen veräussern, der die Produktion gewährleisten kann. Das sind die abhängig Beschäftigten. Die Produktion findet statt dank den abhängig Beschäftigten. Die Sozialisierung dankt es ihnen, indem sie die Produktionsmittel zu den ihren macht. Die Produktionsmittel werden Eigentum der Produzenten; die Unternehmungen, die die Schlüsselbetriebe betreiben, werden das Eigentum ihrer Beschäftigten. Das ist Sozialisierung. Sie hebt den Gegensatz von Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Ausbeuter und Ausgebeuteten auf.


Was die Sozialisierung bewirkt

Die Sozialisierung entbindet die Betriebe vom Zwang, Profite erwirtschaften zu müssen. Der Zwang zum Profit ist ein Zwang zum Wachstum. Durch den Profit wird das Wachstum finanziert. Fällt der Zwang weg, Profit erwirtschaften zu müssen, entfällt auch der Wachstumszwang. Eine Wirtschaft, die jede Ware – die Güter und Dienstleistungen – in beliebiger Menge produzieren kann, braucht nicht länger ein Wachstum der Warenmenge. Was einem an einer Ware lieb sein kann, daran wird man in Zukunft denken. Das Wachstum der Zukunft ist qualitativ, es ersetzt das quantitative.

Die Sozialisierung nimmt die Angst vor Arbeitsplatzverlust. Sozialisierte Betriebe werfen abhängig Beschäftigten nicht auf die Strasse. Die Unternehmung ist das Eigentum der abhängig Beschäftigten. Die Eigentümer bestimmen die eigene Jahresarbeitszeit, sie reduzieren sie, wenn durch die höhere Produktivität der Betrieb bei gleichbleibender Produktion weniger Arbeitskraft beansprucht.

Die Sozialisierung erlaubt, zu fragen, ob die Waren, die ein Unternehmen produziert, im Interesse der Gesellschaft sind. Sie erlaubt zu fragen, wie die Waren beschaffen sein müssen, damit sie im Interesse der Gesellschaft sind.


Verantwortlichkeiten

Die Sozialisierung beendet den Kapitalismus. Der Kapitalismus steht und fällt mit der Eigentumsfrage. Die Eigentumsfrage beantwortet die Soziale Frage; die Soziale Frage wiederum die Umweltfrage, und diese die des Artensterbens, der Landwirtschaft, des Wohnens, der Mobilität, des Konsums und des Klimas. Die Antwort auf die Eigentumsfrage verwirklicht Verantwortung. Die Verhältnisse, wie sie sind, offenbaren, dass niemand für sie die Verantwortung trägt. Getragen sollte die Verantwortung von allen werden, weil das Erbe dieser Erde das Erbe ist, das alle angeht. Die Erde, die alle angeht, ist die Welt, die allen eigen ist. Die Eigentumsfrage bejaht das. Die Eigentumsordnung, wie sie besteht, verneint es. Die Eigentumsordnung schliesst von der Verantwortung aus. In unserer „bestehenden Gesellschaft ist das Privateigentum für neun Zehntel ihrer Mitglieder aufgehoben; es existiert gerade dadurch, das es für neun Zehntel nicht existiert.“ Wer kein Eigentum hat, kann keine Verantwortung für ein Eigentum tragen. Der Mensch aber soll Verantwortung für die ganze Welt übernehmen, für die Bienen, für den Regenwald, für das Klima. Sollte dann nicht auch ein Stück dieser Welt sein Eigentum sein? Und welches Stück dieser Welt sollte es sein, wenn nicht das, mit dem er täglich zu schaffen hat. Dinge, die Freude machen, Dinge, die nützlich sind, Dinge, die es einem ermöglichen, eine Leidenschaft zu pflegen, diese Dinge sollten sein eigen sein, und darüber hinaus die Dinge, mit denen er die meiste Lebenszeit zubringt: seinem Arbeitsplatz und seinem Zuhause.



Zitate: Bertolt Brecht: Die Mutter. In: Werke Bd. 3, 349. / Bertolt Brecht: [Faschismus oder Kapitalismus]. In: Werke Bd. 22, S. 105. / Karl Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. In: MEW Bd. 1, S. 385. / Karl Marx / Friedrich Engels: Das Kommunistische Manifest. In: MEW Bd. 4, S. 477.

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