Ode an den Spass

Zur Begleitmusik des Bexit statt Schiller der Text, der sich unserer Gegenwart geziemte

Ode an den Spass


Spass du geiles Konsumdenken,
Bruder der Kreditwirtschaft,
Wir betrachten giergetrunken,
Was die Mode neues schafft.
Deine Schulden werden wachsen,
Auf den Zins ein Zins begehrt;
Alle Menschen werden Sklaven,
Wo das Kapital regiert.

Seid umschlungen, Millionen!
Alles Geld für mich allein!
Brüder - überm Armenzelt
Tut ein grosser Reichtum thronen.

Wem die grosse Hausse gelungen,
Eines Raubguts Dieb zu sein;
Wer ‘nen fremden Wert errungen,
Mische seine Rubel ein!
Ja, wer auch nur eine Aktie
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer’s nie gekonnt, der stehle
Einem andern dessen Pfund!

Was das hohe Haus bewohnet,
Huldige dem Kapital!
Zu den Börsen leitet es,
Wo das Unerkannte lohnet.

Spässe saugen alle Banken
Vom Gewinne der Papier,
Alle Werte aller Börsen
Folgen grenzenloser Gier.
Hoffnung gibt sie uns und Reden
Einer Zukunft, geprüft vom Mob.
Einsicht ward dem Mensch gegeben,
Und die Vorsicht wüchs’ darob.

Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahndest du den Kapitalist?
Such ihn überm Armenzelt,
Überm Elend muss er stehen.

Spass, du heizt das starke Fieber
Zum gemeinen Kräfteschwund.
Spasswirtschaft, du treibst den Hader
In den grossen Weltenbrand.
Kriege lockst du aus Kasernen,
Bomben von dem Firmament,
Summen zollst du Spekulanten,
Die der Arbeit Lohn nicht kennt!

Frei wie deine Kurse steigen,
Durch des Spekulanten Wahn,
Wandelt Sklaven eure Bahn,
Tüchtig wie das Geld beim Schaffen.

Aus der Märkte Feuersbrünsten
Lächelst du den Händler an.
Zu der Hausse steilem Hügel
Leitest du des Zockers Wahn.
Auf dem faulen Schuldenberge
Will man deiner Zinsen fliehn,
Völker bringt’s in ihre Särge,
So kommt’s billig dir zu stehn.

Duldet mutig, Millionen!
Duldet für die Spasswirtschaft!
Nach des Tiefes Sippenhaft
Wird ein höhrer Kurs belohnen.

Reichtum kann man nicht verargen,
Schön ist’s, selber reich zu sein.
Gram und Sorge wird dich meiden,
Kann zu drohen dich erfreun.
Groll und Rache sollen gelten,
Um Besitz und Zins zu mehrn,
Kannst ein Freund für Geld verraten,
Wird dich kein Gewissen störn.

Ist das Schuldbuch gut geführet,
Ausgeplündert diese Welt!
Sklaven - überm Armenzelt
Schuftet Geld wie ihr geschuftet.

Alle Sender bringen Spässe
In der neuen braven Welt.
Saufen, dass der Spass sich mehre,
Der Vernunft ein Schweigegeld.
Sklaven grölet jetzt zufrieden,
Denn die olle Dose zischt.
Lasst den Schaum zum Himmel spritzen,
Dass zum Bier der Spass sich mischt!

Den den hohe Rendite loben,
Der Gewinnmitnahme preist,
Diesen Spass dem giergen Geist
Überm Armenzelt dort oben!

Herzlos auch in schwersten Zeiten,
Bosheit, dass die Unschuld weint,
Wird zu neuem Reichtum leiten,
Auszubeuten Fremd und Feind.
Eigentum leiht Königskronen.
Sklaven, Freiheit ist Betrug!
Ohne Thron ist auch kein thronen;
Hüt‘ dich drum vor dummem Lug!

Euren Mördern schiesst vor den Sold,
Schwört wider dem Gerechten:
Fort mit aller Menschlichkeit,
Schwöret es bei dem Kalb aus Gold!

Sklaven für Rentitechancen,
Grossmut zeigt das Kapital,
Hoffnung auf ein langes Leben,
Gnädig ihnen diese stahl!
Nur die Reichen dürfen leben!
Sklaven schweigt und fügt euch drein,
Alle Armen solln verrecken,
Deren Elend nicht mehr sein.

Eine geile Abschiedskunde!
Schlafe tief in Unvernunft!
Sklaven – Hoch der Börsenzunft
Aus der Opfer eignem Munde!


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